Zufriedener Unternehmer – Auch in der Nachfolge – Letztlich zählt das Ergebnis

Die Aufgabe als Verwaltungsrat ist an sich bereits anspruchsvoll genug.

Darüber hinaus noch finanziell, sozial und operativ autonom zu sein, erhöht die Anforderungen zusätzlich.

Für verantwortungsvolle Verwaltungsräte sollte dies jedoch selbstverständlich sein.

 

Den Zielen des Unternehmens verpflichtet

Als unabhängige Geister verstehen sich die meisten Verwaltungsräte. Zwar sind ihnen die Rechte und Pflichten, die das Mandat mit sich bringt, bewusst:

  • Der Verwaltungsrat hat seinen Aufgaben mit aller Sorgfalt nachzukommen.
  • Die Interessen der Gesellschaft sind «in guten Treuen zu wahren».
  • Pflichten bei Kapitalverlust und Überschuldung.
  • Oder auch die Pflichten zur Geheimhaltung und zur Gleichbehandlung der Aktionäre.

Doch davon abgesehen fühlen sie sich im Rahmen dieser Eckpfeiler weitgehend selbstbestimmt.

Aber sind sie tatsächlich ungebunden und ausschliesslich den Zielen ihrer Unternehmen verpflichtet? Wirklich «freie» Verwaltungsräte sind sowohl in finanzieller Hinsicht, im sozialen Umgang als auch in der operativen Führung autonom.

 

Finanziell autonom

Finanziell autonom ist der Verwaltungsrat dann, wenn er auf das Honorar nicht angewiesen ist, da er für seinen Lebensunterhalt auf andere Einnahmequellen oder Vermögenswerte zurückgreifen kann.

Die Vorteile, die sich aus dieser inneren Freiheit ergeben, sind nicht zu unterschätzen: Einerseits kann er seine Meinung vertreten, ohne Angst zu haben, dabei einen wesentlichen Teil des Einkommens zu riskieren.

Anderseits muss er nicht befürchten, unpopuläre Entscheide und Massnahmen könnten ihm unter Umständen die Wiederwahl erschweren.

 

Sozial autonom

Sozial autonom zu sein wiederum bedeutet, dass sich der soziale Status nicht am Mandat allein festmachen lässt.

Gesucht sind also Personen, die bereits vor der Tätigkeit als Verwaltungsrat erfolgreich waren und es deshalb nicht nötig haben, das Mandat aus Gründen des sozialen Prestiges auszuüben.

 

Operativ autonom

Last, but not least ist das Gremium operativ autonom, wenn es das Unternehmen notfalls selbst führen kann und dabei weder auf die finanzielle, rechtliche, strategische noch auf die technologische Einschätzung der Geschäftsleitung angewiesen ist.

Aktuelle positive Beispiele von operativ selbständigen Verwaltungsräten, die das Heft bei Bedarf selbst in die Hand genommen haben, liessen sich erfreulicherweise gleich mehrere aufzählen.

 

Fragen, die wir uns stellen sollten

Auf alle Fälle ist die eine oder andere Frage gut geeignet festzustellen, ob der Verwaltungsrat die Kriterien tatsächlich erfüllt:

  • Könnte uns die Komplexität des Geschäftsmodells überfordern?
  • Wird die strategische Leitung des Unternehmens faktisch an die Geschäftsleitung delegiert, oder nehmen wir aktiv Einfluss auf die übergeordneten Entscheide?
  • Reichen die zwei bis drei Sitzungen pro Jahr aus, um die Besonderheiten des Unternehmens zu verstehen und gleichzeitig die notwendigen Impulse in der anspruchsvollen Phase der Neuausrichtung zu geben?
  • Beeinträchtigt etwa die enge Beziehung zwischen dem Verwaltungsratspräsidenten und dem Mehrheitsaktionär die objektive Beurteilung des Geschäftsgangs – und was tun wir dagegen?
  • Oder: Sind wir wirklich unabhängig genug, um das Bezugsprogramm des Präsidenten kritisch zu hinterfragen und unter Umständen Anpassungen zu verlangen?

 

Verwaltungsrat zu sein ist anspruchsvoll

Viele dieser Themen sind heikel, und wir könnten uns die Finger verbrennen. Daher scheuen wir uns vielleicht, sie anzusprechen. Allenfalls reden wir uns ganz einfach ein, dass «er da oben» oder «die da unten» schon wissen, was als nächstes zu tun sein wird.

Doch, ist das die Lösung? Nehmen wir unsere Aufgabe ausreichend wahr, oder müssten wir in dieser Hinsicht mehr tun?

Verwaltungsrat zu sein ist anspruchsvoll, bestimmt, und gleichzeitig ist es der vermutlich wichtigste Job im Unternehmen – und der ist nur mit tatsächlich unabhängigen Menschen zu erfüllen.

 

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