Es sollte das erklärte Ziel jedes Unternehmers und jeder Unternehmerin sein, allfällige Probleme, die sich bei der Lösung der Nachfolge ergeben könnten, rechtzeitig zu erkennen. Und frühzeitig die richtigen Massnahmen vorzubereiten und umzusetzen.

Man könnte nun fragen, was zu tun wäre, damit die Übergabe gut verläuft und das Unternehmen erfolgreich in die Zukunft geführt werden kann.

Man kann aber auch anders fragen – und wir haben ausnahmsweise diesen Ansatz gewählt. Also: Welches sind die eigentlichen Probleme bzw. Problemfelder?

 

Wie man die Nachfolge sicher löst?

Was macht es manchmal so schwierig, ein Unternehmen nach dem Verkauf oder nach der Übergabe an die nächste Generation kurz-, mittel- und längerfristig weiterhin erfolgreich zu führen?

Anstelle einer direkten Antwort nehmen wir die Resultate einer Studie. Diese zeigen: Zu 60 bis 80 Prozent sind es einheitliche Gründe, weshalb sich Unternehmen nicht wie erhofft entwickeln.

Von welchen Gründen sprechen wir, und was kann getan werden, damit die Nachfolge ohne Probleme über die Bühne geht und das Unternehmen auch weiterhin wirtschaftlich gut dasteht? Antwort: Die kritischen Bereiche möglichst umschiffen.

Die erfolgskritischen Toptens, in absteigender Reihenfolge.

  • Falsche Planung
    Die Entwürfe, Annahmen und Szenarien des Übernehmers (sofern diese existieren) sind zu optimistisch.
    Es werden insbesondere keine ausreichenden Risikopuffer in die Übernahmekonzepte eingebaut.
  • Zu geringe eigene Mittel
    Der Übernehmer verfügt über zu wenig Kapital.
    In der Folge bringt der hohe Fremdfinanzierungsgrad das Unternehmen in Schwierigkeiten.
    Der Käufer sollte sich daher nur dann auf eine Firmenübernahme einlassen, wenn ausreichend Mittel verfügbar sind oder der Übergeber ausreichend (günstiges und langfristiges) Kapital stehen lässt.
  • Zu hoher Preis
    Die Preisvorstellung des Übergebers ist unrealistisch.
    Dadurch verunmöglicht er entweder, dass der Verkauf überhaupt zustande kommt.
    Oder das Unternehmen kann die Zinsen und Amortisationen auf die Dauer nicht erwirtschaften.
  • Kein Plan B
    Für Notfallszenarien (z.B. frühzeitiges Ableben des Übergebers oder des Übernehmers) sind keine Pläne vorhanden.
    Der Prozess kommt ins Stocken, wird ganz abgebrochen oder danach nicht mehr (oder wesentlich zu spät) wieder aufgenommen.
  • Erfolgsabhängigkeit des Übergebers
    Der wesentliche Erfolgsfaktor hängt zu sehr vom Übergebenden ab (z.B. von dessen Netzwerk) und konnte nicht (oder nicht rechtzeitig) auf den Nachfolger übertragen werden.
  • Übernehmer ist nicht Unternehmer
    Zwar sollte, so die Vorstellung des Alt-Unternehmers, der Übernehmer wenn immer möglich aus der Familie kommen und die Unternehmergene weitertragen.
    Jener oder jene ist jedoch nicht in der Lage, nicht bereit oder nicht gewillt, den Betrieb konsequent und mit der erforderlichen Hingabe und Verantwortung in die Zukunft zu führen.
  • Der Übergeber bleibt an der Macht
    Der bisherige Eigentümer lässt nicht los.
    Der Käufer kann somit seine Ziele, die für einen erfolgreichen Betrieb nötig wären, nicht oder wenigstens nicht zeitgerecht umsetzen.
  • Konflikte
    Weder zwischen Übernehmer und Übergeber noch in der Familie können Konflikte ausreichend aufgelöst werden (da beispielsweise Verwaltungsräte, Beiräte oder Familienräte nicht oder lediglich mangelhaft funktionieren und kommunizieren).
  • Wirtschaftliche Situation
    Diese ist deutlich negativer als erwartet (was aber erkannt worden wäre, hätte es beispielsweise eine professionelle Due Diligence gegeben).
  • Finanzierbarkeit
    Die Übergabe ist schlicht nicht zu finanzieren, weder mit eigenen noch mit fremden Mitteln.

 

Der Nachfolger ist in der Pflicht

Was auffällt: Entgegen der weitverbreiteten Meinung ist es nicht so sehr der bisherige Eigentümer, der für das Scheitern der Nachfolge verantwortlich wäre.

Und es trifft auch nicht zu, dass prinzipiell keine bzw. nur schwer Nachfolger gefunden werden könnten.

Die Ergebnisse lassen vielmehr darauf schliessen, dass die Übernehmer nicht unwesentlich an den schwierigen Fällen beteiligt sind. Dazu zählen beispielsweise, wie erwähnt,

  • eine zu optimistische Einschätzung
  • die zu geringen eigenen Mittel (zumal dann, wenn wir davon ausgehen, dass der Kaufpreis eigentlich marktgerecht und nicht überhöht ist) und offensichtlich
  • die Tatsache, dass es Übernehmern offenbar schwer fällt, unternehmerisch zu führen.

 

Probleme? Ein Nachfolgekonzept!

Es ist zudem interessant zu sehen, dass vermeintlich „typische“ Probleme – jedenfalls insgesamt betrachtet – weniger relevant sind.

Dazu gehören speziell die üblichen Verdächtigen wie erbrechtliche Streitigkeiten, die Konkurrenzsituation oder die zu rasche Übergabe.

Alles in allem scheint klar, dass ein sorgfältig ausgearbeitetes Nachfolgekonzept wesentlich dazu beitragen kann, im Voraus die richtigen Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen, die für die Zukunft des Unternehmens wichtig sind.

Damit die Türen noch möglichst lange offen stehen.

 

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