Mit der Locked Box Methode können die Parteien im Vertrag auf komplizierte Regelwerke verzichten

Unternehmen verkaufen mit dem Locked Box-Mechanismus.

Damit auf komplizierte Kaufpreisanpassungen verzichtet werden kann.

 

Unternehmen verkaufen – Mit Locked Box?

Unterschiedliche Mechanismen

In Europa ist es nach wie vor üblich, Unternehmen im Locked Box-Verfahren zu verkaufen. Wir erklären den Mechanismus und die Vorteile dieser Vorgehensweise.

Zunächst zur Ausgangslage. Der Käufer eines Unternehmens erwartet, dass die Vermögenswerte am Vollzugstag auch tatsächlich verfügbar sind.

Wäre dem nicht so, behielte sich der Käufer in aller Regel das Recht vor, den Kaufpreis anzupassen.

Daher haben sich in der Praxis verschiedene Mechanismen herauskristallisiert.

Der Ablauf sieht üblicherweise so aus: Häufig fixiert man einen vorläufigen Basiskaufpreis.

Diesen passen die Parteien am Vollzugstag dann situativ an. Je nachdem, in welchem Umfang sich in der Zwischenzeit die Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätssituation geändert haben.

In diesem Zusammenhang bilden das Nettofinanz- (Net Cash/Debt) oder das Nettoumlaufvermögen (Net Working Capital) in der Regel die relevanten finanziellen Grundlagen.

Für den Verkäufer oft nachteilig

Kaufpreisanpassungsmechanismen sind für den Verkäufer jedoch fast immer nachteilig.

In der Regel hat es nämlich der Käufer in der Hand, wie sich der Zwischenabschluss nach dem Vollzugstag präsentiert.

Denn er ist ab jenem Zeitpunkt der Eigentümer. Somit kann er aber dem Zeitpunkt des Firmenkaufs das Unternehmen so führen, wie er es für richtig erachtet. Dazu zählen auch die Art der betriebsinternen Verrechnungen, die Bewertung der Assets, die Bildung von Rückstellungen und Abschreibungen und damit der Ausweis von EBITDA, EBIT und Reingewinn.

Und diese Ergebnisse bilden bekanntlich die Grundlage für den vor dem Verkauf definierten Anpassungsbetrag.

Der Verkäufer wiederum muss sich auf die Zahlen verlassen, auf die sich der neue Eigentümer stützt, die dieser aufbereitet und danach dem Käufer präsentiert. Selbst kann der Verkäufer das Resultat jedenfalls nicht (mehr) beeinflussen.

Um dieser – für den Verkäufer tendenziell eher unerfreulichen – Situation zu begegnen, bietet sich nun das Prinzip des Locked Box-Mechanismus an.

 

Locked Box-Mechanismus

Virtuelle Box wird am Bilanzstichtag geschlossen

Beim Locked Box-Mechanismus wird der Kaufpreis auf einen Stichtag ermittelt, der in der Vergangenheit liegt.

Meist entspricht dies dem letzten Bilanzstichtag. Die Parteien vereinbaren deshalb, auf der Basis des letzten Jahresabschlusses einen festen, nicht anpassbaren Kaufpreis zu fixieren.

Gleichzeitig stellen sie vertraglich sicher, dass zwischen dem Bilanzstichtag, dem sogenannten Locked Box Date, und dem Vollzugstag keine Finanzmittel an den Verkäufer abfliessen.

Diese virtuelle Box oder Schachtel wird am Bilanzstichtag geschlossen und erst wieder am Vollzugstag geöffnet.

Kernelemente der Locked Box

Wirtschaftlich gesehen übernimmt der Käufer das Unternehmen somit per Bilanzstichtag. Ein allfälliger Gewinn wird daher dem Käufer zugerechnet. Ebenso ein eventueller Verlust.

Vor diesem Hintergrund sind jedoch zwei wesentliche Kernelemente zu beachten, damit diese Regelung funktioniert:

a) Fester Kaufpreis

Der wesentliche Bestandteil ist der feste Kaufpreis.

Dieser wird nicht mehr angepasst.

Sollte der Kauf nicht sofort nach der Unterzeichnung (dem Signing) des Kaufvertrags vollzogen werden, wird eine weitere Kaufpreiskomponente festgelegt. Zusätzlich zum Kaufpreis.

Diese spiegelt das operative Ergebnis zwischen dem Locked Box Date und dem Vollzugstag wider.

b) Schadloshaltung

Zudem verpflichtet sich der Verkäufer, zwischen dem Locked Box Date und dem Vollzugstag keine Aktiven an sich selbst abfliessen zu lassen.

Mit der No Leakage-Regelung ist ferner vereinbart, dass keine Verpflichtungen bestehen, solche Abflüsse vornehmen zu müssen.

 

Bedenken auf Käuferseite

Die Käuferseite könnte sich auf den Standpunkt stellen, der Verkäufer setze sich nicht mehr gleich ein wie bis anhin.

Diese Bedenken betreffen insbesondere die Phase ab dem Locked Box-Date bis zum Signing/Closing. Es könnte also argumentiert werden, dass es dem Verkäufer nun nicht mehr darauf ankäme, die hoch gesetzten Ziele zu erreichen.

Dieses potenzielle Problem kann jedoch durch Bedingungen im Kaufvertrag eingegrenzt werden, indem dem Käufer für diese Zeit ein weitgehendes Recht eingeräumt wird, die Geschäftsergebnisse einzusehen.

Zudem könnte dem Käufer ein Mitspracherecht ermöglicht werden. Nicht zuletzt wäre zu überlegen, den Käufer zusätzlich zu berechtigen, vom Kauf zurückzutreten, sollte das erwartete Ergebnis durch Handlungen bzw. Unterlassungen des Verkäufers in wesentlichem Umfang nicht erreicht werden.

 

Fazit

Einerseits ist dieser Mechanismus normalerweise für den Verkäufer vorteilhaft. Anderseits wird er für den Käufer als eher risikobehaftet eingestuft.

Der grosse Vorteil der Locked Box liegt jedoch primär in seiner Einfachheit. Es ist kein (aufwendiger und auch kostenintensiver) Zwischenabschluss zu erstellen. Und die Parteien können somit im Kaufvertrag auf komplizierte Regelwerke verzichten.

 

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